Frühjahr  2006. Ladenpreis 29 Euro.

Umfang ca. 400 Seiten, Paperback

http://www.traumland-intensivstation.de/

 

Die meisten Beiträge des Kongresses "Traumland Intensivstation" Veränderte Bewusstseinszustände und Koma -  interdisziplinäre Expeditionen

f der Intensivstation befinden sich viele Patientinnen und Patienten in vitalen Grenzsituationen. Dadurch und durch den therapeutischen Einsatz von Medikamenten, die das Bewusstsein beeinflussen bzw. verändern, erleben die Betroffenen ungewohnte seelische Zustände und teilen Wahrnehmungen mit, die den Rahmen des Bekannten sprengen. Da heute die Behauptung nicht mehr haltbar ist, dass Menschen im Koma oder ähnlichen Zuständen nichts von ihrer Situation und ihrer Umgebung wahrnehmen können, sind alle, die auf Intensivstationen arbeiten, zu neuen Antworten herausgefordert:

·            Inwieweit beeinflusst das Erleben der Patientinnen und Patienten den Überlebensprozess und die Genesung?

·            Gibt es Kommunikationsformen, welche die Heilungschancen eines Menschen in derartigen Grenzsituationen positiv beeinflussen können?

·            Wie können die verschiedenen

·            Berufsgruppen in ihrem Tun und Zusammenwirken für den betroffenen Menschen in den unterschiedlichen Dimensionen der körperlichen, seelischen und spirituellen Unterstützung eine optimale Intensivversorgung erreichen?

 

Auswahl aus den Beiträgen:

 

Peter Frör: Reisen und Begegnungen im unbekannten Land I, Sebastian Elsaesser   Reisen und Begegnungen im unbekannten Land II

Renaud van Quekelberghe:  Menschliches Bewusstsein

Joachim Faulstich:  Schamanen, Mönche, Lamas

Ina Schmied-Knittel: Nahtod-Erfahrungen

Matthias Varga von Kibéd  An der Grenze - zwischen den Welten Logische und anthropologische Betrachtungen

Farah Lenser / Heiner Benking, s.u.

 

Der Offene Raum: Kreativität durch Dialog

 

Ein Beitrag von Farah Lenser und Heiner Benking

 

³Die Form des freien Dialogs kann sehr gut eine der effektivsten Möglichkeiten sein,

die Krisen zu untersuchen, denen sich die Gesellschaft gegenübersieht.

Mehr noch, es könnte sich herausstellen,

dass diese Form des Austauschs von Ideen und Information von fundamentaler Bedeutung ist,

um Kultur so zu verändern, dass Kreativität freigesetzt werden kann.

David Bohm[1]

 

Konferenzformen und Gesprächskultur

Der interdisziplinäre Diskurs und der multiprofessionelle Austausch werden nicht nur bei Konferenzen und Symposien, sondern auch generell in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Forschung gestellt.

In der Regel werden Konferenzen durch einige Experten[2] vorbereitet, ein "call for papers" versucht die relevanten Stimmen für ein bestimmtes Thema einzuladen und davon ausgehend werden die Programmthemen sorgfältig ausgewählt.

Ein ganz anderer Ansatz setzt auf das Prinzip der Selbstorganisation, wobei die Organisatoren einer Konferenz’ ’nur noch¹ damit beschäftigt sind, den Rahmen und die Bedingungen für eine solche Konferenz zu sichern. Eine Form dieses selbst organisierten Settings ist der seit geraumer Zeit sehr in Mode gekommene Open Space, eine Methode, die von dem Organisationsberater Harrison Owen initiiert wurde.

Dabei werden alle Teilnehmenden zu einem übergeordneten Thema eingeladen, das sie alle betrifft und/oder mit dem sie sich wissenschaftlich auseinander setzen. Zu Beginn der Konferenz werden alle in einem großem Kreis zusammenführt, um ihre jeweils spezifischen Themen und Fragen zu formulieren und die anderen Teilnehmerinnen einzuladen, mit ihnen daran zu arbeiten.

 

Der Kreis als verbindendes Element

Das Zusammenkommen im Kreis ist dabei konstitutives Element und inspiriert von der Praxis traditioneller Kulturen, die auf diese Weise sicherstellen wollen, dass jede Person unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung ihren Teil zu einer Problemlösung einbringen kann.[3]

Man vermutet vielleicht, dass ein solcher Kreis auf eine kleine Anzahl von Menschen beschränkt sein müsse. Tatsächlich wurden solche Open Spaces aber bereits mit bis zu 2000 Menschen durchgeführt und bei einer Koppelung mit moderner Technologie könnte ein realer Open Space, der in New York stattfindet mit einem, der in Tokio und einem weiteren, der in Stockholm stattfindet virtuell verbunden werden.

Die organisatorische Herausforderung wächst natürlich mit der Teilnehmerzahl einer solchen Konferenz; die inhaltliche Gestaltung jedoch liegt ganz in der Hand derjenigen, die sich dafür engagieren wollen.

 

Systemische Grundlagen

Die Befürworter von sich selbst organisierenden Prozessen berufen sich dabei auf Theorien des Biologen Stewart Kauffman oder auch auf die Erkenntnisse von Systemforschern wie Heinz von Foerster.

Stewart Kauffmann hat für den Bereich der Biologie entdeckt, dass molekulare Systeme, die sich am Rande des Chaos bewegen, unter bestimmten Bedingungen selbst organisierend Ordnung erzeugen können. Einige dieser Bedingungen sind z.B. eine sichere Umgebung, eine hohe Komplexität von unterschiedlichen Elementen, sowie ein großes Potential von Komplexität in Bezug auf ihre mögliche innere Beziehung und eine Bewegung hin zur Verbesserung des Status Quo[4]

Harrison Owen, der in den 80er Jahren damit begann, Konferenzen wie große Kaffeepausen zu organisieren, nachdem er nach Kongressen oft das Feedback bekommen hatte, dass in den Pausen die eigentliche Synergie und Kreativität aller Teilnehmenden zum Ausdruck gekommen sei, machte dabei erstaunliche Beobachtungen. Wenn er nämlich Menschen einlud, gemeinsam an einem sie bewegenden Problem zu arbeiten und dabei bestimmte Grundsätze beachtete, die an oben genannte Bedingungen für molekulare Prozesse erinnerten, dann kam auch dort dieser Prozess der Selbstorganisation zum Tragen und er erkannte darin die Kraftentfaltung lernender Systemen.

Seiner Ansicht nach ist es dabei wichtig, dass alle Teilnehmenden im Kreis zusammenkommen, da er diesen als natürliches Kommunikationsprinzip ansieht.

“Sobald Leute in einem Kreis zusammen sitzen, werden sie miteinander reden; zum Teil weil sie sich nicht ausweichen können, aber auch weil der Kreis keinen Anfang und kein Ende hat. Es gibt kein oben, kein unten, es gibt keine Hierarchie und jeder ist mit jedem auf gleicher Augenhöhe.³[5]

 

 

 

 

Open Space Prinzipien

Die Grundsätze, von denen er selbst sagt, dass er sie wieder entdeckt habe, da er sie als konstitutiv für die menschliche Kommunikation ansieht, formuliert er folgendermaßen:

 

-       Diejenigen, die da sind, sind genau die Richtigen.

-       Was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen kann.

-       Es fängt an, wenn die Zeit reif ist.

-       Vorbei ist vorbei.

 

Dabei gibt es ­ im Unterschied zu anderen Gruppenveranstaltungen - eine Besonderheit, nämlich das Gesetz der zwei Füße: sobald ich das Gefühl habe, zu dem Thema einer Gruppe nichts mehr beitragen zu können oder zu wollen, ehre ich die Gruppe mit meiner Abwesenheit und begebe mich entweder zu einer anderen Gruppe, setze mich ins Cafe oder mache einfach irgendwo eine Pause. Dieses Gesetz setzt zwei Erscheinungen frei, nämlich die ’Hummel¹ und den ’Schmetterling¹. Während die Hummel emsig von Gruppe zu Gruppe fliegt und irgendwo eine gute Idee aufschnappt, die sie in der nächsten Gruppe wie einen Pollen fallen lässt, sorgt der Schmetterling mit seinem einfachen nicht auf ein offensichtliches Ziel hin gerichtetem Dasein für den freien Raum, im dem das Neue, nicht Erwartete geschehen kann, indem er allein im Cafe sitzend andere anzieht oder beim Spaziergang im Park auf einen Gesprächspartner trifft.

Deshalb heißt es auch:

Mit Überraschungen ist zu rechnen!

 

Konventioneller Rahmen oder Offener Raum

Ein solches Vorgehen steht natürlich im krassen Gegensatz zur konventionellen Art und Weise eine Konferenz zu organisieren, wo eingeladene Redner ausgewählt und die Themen sorgfältig ausgesucht werden. Diese Vorgehensweise hat sicher seine Vorzüge und verlangt nach einem kompetenten und fachlich versierten Vorbereitungsteam, das mögliche Themen und Problemstellungen nach dem letzten Stand der Wissenschaften und des Interesses auswählt. Eingeladene Referenten sind Experten für die jeweiligen Themen und bereiten sich darauf vor, den Teilnehmerinnen und Kolleginnen ihre Gedanken und Ideen zu präsentieren. Die Vorstellung anerkannte Wissenschaftler und Experten zu einem Open Space einzuladen, wo sie als einer von 250 Teilnehmenden in einem offenen Kreis ihre Ideen dem Publikum präsentieren, um sie einzuladen, in einer kleinen Gruppe parallel zu vielen anderen kleinen Gruppen mit ihnen daran zu arbeiten, ohne dass große Auditorium für sich allein in Anspruch nehmen zu können, erscheint erst einmal befremdlich zu sein.

Auf der anderen Seite scheint der alte Stil von Konferenzen mit langen Monologen oder zeitlich streng moderierten Podiumsdiskussionen oft nicht mehr gefragt zu sein. Hinzu kommt, dass geplante Diskussionen mit dem Auditorium nach Fachvorträgen oft zu kurz kommen, weil entweder Redner kein Ende finden oder der Ablauf auf Grund der Fülle der Themenbeiträge von vornherein zu knapp geplant war. Oft halten Referentinnen nach der ersten Frage den nächsten Vortrag oder jemand aus dem Publikum benutzt die Möglichkeit eine Frage zu stellen zu einem Koreferat. Die übliche Art von Organisatoren auf dieses Problem zu reagieren ist, die meist ohnehin knapp eingeplanten Pausen noch weiter zu verkürzen, was oft Teilnehmer und Referentinnen unter einen zeitlichen Stress setzt, der sich kontraproduktiv auf das gesamte Geschehen auswirkt.

 

Freier Dialog

So entwickelt sich meist kein inter- oder transdisziplinärer Diskurs oder gar ein Dialog im Sinne des Philosophen und Quantenphysikers David Bohm, sondern eher ein Kampf um die Redezeit und um das Mikrophon.

Wenn David Bohm[6] , der in den 50er Jahren begann mit Dialoggruppen zu experimentieren, von einem freien Dialog spricht, meint er damit die Befreiung des Denkens und des Diskurses von jeglichem Tabu, da jede künstliche Begrenzung eines Problems seiner Meinung nach Lösungen verhindert. Bei seiner Beschreibung eines echten Dialoges bezieht er sich auf den griechischen Ursprung des Wortes ³Dialogos³, bei dem ³Logos³ das “Wort³ und ³dia³ “durch³ bedeutet (und nicht etwa zwei ­ wie manche unbedacht annehmen). Durch diese Etymologie des Wortes Dialog entsteht für ihn die Vorstellung eines Bedeutungsstromes, der durch uns und zwischen uns fließt ­ ein Bedeutungsstrom, der die ganze Gruppe umfasst und der in ein neues kreatives Verstehen einmünden kann, wenn wir dafür den Raum öffnen, in dem es sich manifestieren kann.

Martin Buber[7] beschreibt in seinem Buch  ³Das dialogische Prinzip³ die Merkmale eines echten Dialoges auf eine ähnliche Weise, wenn er die Hinwendung zum Gesprächspartner in seiner personenhaften Existenz betont, die zwar eine Akzeptanz, aber keine Billigung seiner Ansichten und Absichten beinhaltet. Zum Gespräch gehört für Buber auch die Bereitschaft, sich selbst mit allem einzubringen, was man zu dem besprochenen Gegenstand im Sinn hat. Diese Rückhaltlosigkeit sei aber das genaue Gegenteil des Drauflosredens, denn wichtig sei vor allen Dingen die Überwindung des Scheins, d.h. sich nicht in Szene setzen zu wollen oder nur auf Wirkung bedacht sein.

 

³Weil das echte Gespräch eine ontologische Sphäre ist,

die sich durch die Authentizität des Seins konstituiert,

kann jeder Einbruch des Scheins es versehren.³

Martin Buber, Das dialogische Prinzip[8]

 

Auch Martin Buber betont ­ ähnlich wie David Bohm ­die aktive Rolle der Zuhörenden im Gespräch, denn auch wenn nicht alle zu einem echten Gespräch Vereinten selber sprechen, so könnten doch schweigsam bleibende mitunter besonders wichtig werden. Als ein Problem betrachtet er es jedoch, wenn man auch nur einen geringen Teil der Anwesenden absichtlich nicht zu Wort kommen lasse, denn ³eine als Hörstück vorgeführte Unterredung ist von einem echten Gespräch brückenlos geschieden.³[9]

 

Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten  moderierter Podiumsdiskussionen betont er, dass man ein echtes Gespräch nicht vordisponieren kann. ³Es hat zwar seine Grundordnung von Anbeginn in sich, aber nichts kann angeordnet werden, der Gang ist des Geistes, und mancher entdeckt, was er zu sagen hätte, nicht eher, als da er den Ruf des Geistes vernimmt.³[10] Wir verstehen hier, dass wir neben der intellektuellen Erkenntnis auch unser intuitives Erkennen und Mitfühlen kultivieren sollten und uns auch auf Widersprüche und Unvereinbarkeiten einlassen müssen, um vielleicht in den Mustern Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zu erkennen, die uns helfen - co-kreativ und Überraschungen einladend - scheinbar Unvereinbares doch noch innerhalb eines Kontextes einzubeziehen oder aushalten zu können.

 

Spirit und Flow

Auch Harrison Owen entdeckte in seinen Open Spaces das Auftauchen eines spirit, der auf eine geistige Dimension verweist, aber auch in Phänomenen auftaucht, die wir eher pragmatisch als Teamgeist bezeichnen.

“Nach einem open space sagen Leute oft: ’es war inspirierend¹. Nun Inspiration bedeutet buchstäblich: be-geist-ern. Der Geist ist da, es ist nicht so, dass du den Geist hineinbringst, der Geist ist präsent und du räumst einfach ein paar Hindernisse beiseite, die ihn hindern könnten sich zu zeigen³.[11]

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi untersuchte seit den 70er Jahren die Konzentrationsfähigkeit bei Künstlern und anderer kreativer Menschen, die während ihrer Arbeit ganz in ihrem Tun aufgehen und prägte dafür den Begriff Flow[12], der seiner Ansicht nach wesentlich mit dem Gefühl der Freude verbunden ist, die sich dabei einstellt.

Ein Phänomen, von dem auch Teilnehmende an einem Open Space immer wieder begeistert berichten, denn alles, was selbstorganisierend geschieht, wird initiiert von dem Engagement jeder einzelnen.

 

Für die Belebung von Gesprächs- und Dialogkultur[13] erscheint es uns wichtig, die Rituale der Kommunikation neu zu bewerten und wieder zu entdecken. Dabei können wir sicher auf der einen Seite von indigenen Völkern lernen, die eine partizipative Kommunikationsstruktur einer hierarchischen vorziehen und auf der anderen Seite von den Erkenntnissen der Systemtheorie profitieren, die zeigt, dass Menschen unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen und wertschätzen können, besonders wenn sie mit anderen in einen Dialog treten, der wie auch der Philosoph Jürgen Habermas betonte, nach einer “ideale(n) Redesituation³[14] verlangt, nach einem “Raum³ in dem sich die Teilnehmer frei, offen und vertrauensvoll ausdrücken können.

 

Verbindung traditioneller Formen mit modernen Elementen

Zu der 47. jährlichen Konferenz der Internationalen Gesellschaft für Systemwissenschaften[15] wurden auch Vertreter traditioneller Kulturen wie die Maoris aus Neuseeland und ³Native Americans³ eingeladen, um mit diesen gemeinsam traditionelle Methoden der sozialen Verständigung mit modernen Methoden der Kommunikation zu verbinden.  So hat die Gruppe AIO (Americans for Indian Opportunity)[16], initiiert von LaDonna Harris einen ILIS (Indigenous Leadership Interactive System) Dialog entwickelt, der sich an den traditionellen indigenen Werten wie Beziehung, Verantwortung, Gegenseitigkeit und Umverteilung orientiert. Gleichzeitig wurden Elemente computer-gestützter Methoden der Entscheidungs- und Konsensfindung, die auf der Arbeit von Christakis[17] aufbauen, miteinbezogen, aber auch dahingehend verändert oder erweitert, indem das traditionelle Zusammensitzen im Kreis als ein konstitutives Element der Konsens- und Entscheidungsfindung bestehen bleibt.

 

Auch der Priester, Menschenrechtsaktivist und Organisationsberater Harrison Owen, der mit dem Open Space das Symbol des Kreises wieder neu belebt hat, wurde zu dieser Idee von seinen nachhaltigen Eindrücken und Erfahrungen mit anderen Kulturen während seiner langjährigen Arbeit für das Peace Corps in Afrika inspiriert.

 

Kombinationen verschiedener Modelle der Kommunikation

Zwischen den beiden vorgestellten Extremen, auf der einen Seite eine Konferenz zu organisieren, die nur geladenen Rednern ein Rederecht einräumt und eines sich selbst organisierenden Open Space gibt es viele Möglichkeiten die Partizipation aller Teilnehmenden an einer Konferenz zu fördern, um einen wirklichen Dialog und transdisziplinären Diskurs in Gang zu setzen.

Dazu gehören nicht nur die üblichen Ice Breaker Parties und andere eine Konferenz begleitenden social programs. Mittlerweile wurden viele Ansätze und Möglichkeiten entwickelt mit Ritualen[18] oder auch künstlerischen Elementen[19] Konferenzen anders zu gestalten, um eine mit allen Sinnen erfahrbare Partizipation möglich zu machen.

Dazu gehört auch die von den beiden Autoren entwickelte Idee eines Magic Round Table¹s oder eines Rundgespräches, das auf dem Prinzip beruht, die Vorstellung einer passiven Zuhörerin und eines aktiven Redners zu hinterfragen und durch die Visualisierung von Redezeit die Möglichkeit zu schaffen diese in Zuhörzeit umzuwandeln, indem man sie verschenkt.[20] und damit auch im Sinne von Heinz Foerster an das hermeneutische Prinzip vom Hörer und vom Sprecher zu erinnern: “Der Hörer, nicht der Sprecher, bestimmt die Bedeutung einer Aussage.³[21]

 

Das Gespräch ­ ein Tanz: mal führt der eine, mal der andere

Sicher kann das offene Format eines Open Space¹s nicht für jede Konferenz angebracht sein, doch wir sollten das Bedürfnis der Teilnehmerinnen nach informeller Begegnung ernst nehmen und altherbrachte Traditionen Konferenzen zu organisieren in Frage stellen, indem wir entsprechend den Bedürfnissen und Erwartungen einen idealen Weg für jede spezifische Veranstaltung suchen.[22] Dabei hilft es vielleicht auch, die spielerische Komponente und die Freude an der Begegnung mit anderen in den Mittelpunkt zu stellen. Wie formuliert es der Systemwissenschaftler Heinz von Foerster so schön: “Ich lade meine Partner im Gespräch ein...das ist ein Spiel, in das wir eintreten. Im Tanz führt einmal der eine, einmal der andere. Die Musik ist da ­ sie tanzen.³[23]



[1]  Bohm, David, On Dialogue, Routledge, London und New York, 1996, On Dialogue (Übersetzung Farah Lenser)

[2]  Wir verwenden abwechselnd die männliche oder die weibliche Form, da uns die Suche nach einer neutralen Form oder die weiblich/männliche Doppelnennung oft zu gestelzt vorkommt.

[3]  Manitonquat (Medicine Story), The Circle Way by Story Stone Publ., Greenville 1997;The Ceremonial Circle by S.Cahill & J. Halpern SF, Harper & Row 1990. Online: http://www.circleway.org/circle_way_prologue.htm

[4]  Kauffman, Stewart, AT HOME IN THE UNIVERSE, Oxford Univ. Press, 1995

[5]  Lenser, Farah, Interview mit Harrison Owen, Teil 1: “Open Spaces, kein oben, kein unten³, in einseitig.info: http://www.einseitig.info/html/content.php?txtid=369 Teil 2: “Open Spaces und die Kraftentfaltung lernender Systeme³: Online: http://einseitig.info/html/content.php?txtid=376

[6]  Bohm, David, On Dialogue, Routledge, London und New York, 1996, Online: http://www.david-bohm.net/dialogue/  und http://www.laetusinpraesens.org/links/webdial.php

[7]  Buber, Martin, Das dialogische Prinzip, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2002; Martin Buber ­ Philosoph des Dialogs, http://www.inidia.de/buber.htm

[8]  Buber Martin, Das dialogische Prinzip, a.a.O./ S.295

[9]  ebenda, S.297

[10] ebenda, S.296

[11] Lenser, Farah, Interview mit Harrison Owen, a.a.O. / siehe dazu auch: Owen, Harrison, The Power of Spirit, How Organisations Transform, Berrett-Koehler Publishers, San Francisco, 2000

[12] Csikszentmihalyi, Mihaly, Das flow-Erlebnis ­ Jenseits von Angst und Langeweile: Im Tun aufgehen, Stuttgart:Klett-Kotta 1987

[13] Lenser, Farah; Benking, Heiner, Gesprächskultur und Runde Tische, http://www.open-forum.de/Gespraechskultur.htm

[14] Habermas Jürgen, Erkenntnis und Interesse, Frankfurt a.M. 1968 siehe auch: Theorie des kommunikativen Handelns (Bd.1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Bd. 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft), Frankfurt a.M. 1981

[15] CONSCIOUS EVOLUTION OF HUMANITY: USING SYSTEMS THINKING TO CONSTRUCT AGORAS OF THE GLOBAL VILLAGE, The 47th Annual Meeting of the International Society for the Systems Sciences (ISSS), Kreta 2003,  CONSCIOUS EVOLUTION OF HUMANITY: USING SYSTEMS THINKING TO CONSTRUCT AGORAS OF THE GLOBAL VILLAGE, The 47th Annual Meeting of the International Society for the Systems Sciences (ISSS), Kreta 2003, http://www.isss.org/conferences/crete2003/, siehe auch: TOWARDS A NEW COVENANT:EMBRACING A DIALOGUE AND DECISION CULTURE TO ADDRESS THE CHALLENGES OF THE AGORAS OF THE 21ST CENTURY, IN: Using Systems Thinking to Construct Agoras of the Global Village: World Futures:  The Journal of General Evolution, Taylor & Francis, Vol.60. 1-2, Jan 2004

[16] Americans for Indian Opportunity (AIO). Available at http://www.aio.org and Advancement of Maori Opportunity (AMO) http://www.arno.co.nz, jointly sponsored by Wisdom of the People Forum (WOPF)

[17] Christakis, Aleco, A People Science: The CogniScope Systems Approach, 1996 und Christakis, A., The Dialogue Game, Paoli, Pennsylvania: CWA Ltd. Available at http://www.cwaltd.com, und How People Harness Their Collective Wisdom and Power to Create the Future to construct the Future in Co-Laboratories of Democracy, 2006, http://www.cwaltd.com/q83.html

[18] Weber, Susanne Maria, Rituale der Transformation, Großgruppenverfahren als pädagogisches Wissen am Markt, VS-Verlag Wiesbaden 2005

[19] siehe dazu: die SemiNarren, unternehmen¹s Beratung! http://www.seminarren.at

[20] Cultivating Dialogue with Magic Round Tables, Team 1, New Agoras for the 21st Century:  Conscious Self-Guided Evolution, http://open-forum.de/agora-fuschl-lenser-benking.htm Twelfth IFSR-Fuschl Conversations 2004, IFSR, http://go.just.to/fuschl und TRANS Nr. 15: 8.3. Dialog und Lernen, Gesprächs- und Entscheidungskultur: Der Beitrag: "Gesprächs- und Entscheidungskultur: Rundgespräche und Vereinbarungen als Elemente einer wünschenswerten, zukünftigen Zivilgesellschaft", http://benking.de/INST/TUAC/08_3inhalt.htm, und Alternatives for Marrying Lectures, Sessions, and Tracks with an Open Format Dialogue Culture, Proposing additional Time-Credit-Based Dialogues (Open-Forum Magic Round-Tables) for intensive conversations at scientific, social, or political gatherings, ICSU-CODATA, Berlin 2005, http://open-forum.de/ISGI_open-format.htm

[21] Heinz von Foerster, Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen, Kulturverlag Kadmos, Berlin 20

[22] Wie z.B. bei einer Konferenz der Systemswissenschaftler mit dem Titel “100 Jahre Bertalanffy³ in Wien, 2001, http://open-forum.de/Dialogue_toward_Unity_in_Diversity.htm, wo neben den Fachbeiträgen ein offener, aber geordneter Dialog helfen konnte, ein produktives Gegengewicht zu einer Fülle von Expertisen zu schaffen und damit eine Neue Qualität des wissenschaftlichen Austausches zu erzeugen. http://www.open-forum.de/re-invent-democracy2001.html oder bei Grossveranstaltungen wie der Sommeruniversität in Berlin1995, die sich über einen Zeitraum von einem Monat erstreckte und mehr als 1000 Teilnehmenden umfasste, wo die Autoren parallel zum Vortragsprogramm nicht nur einen Raum für Rundgespräche gestalteten, aus dem heraus sich ein von den Teilnehmenden selbst entwickeltes zusätzliches Vortragsprogramm ergab, sondern wo sich Teilnehmende auch mit Hilfe eines Konferenz - Newsletters als Teilnehmer-Mitteilungsblatt (DaZiBao) mitteilen und austauschen konnten. http://habitat.igc.org/people/

http://www.open-forum.de/cultures-generations-dialogue.html

(vergleiche dazu auch Fußnote 16).

[23] Foerster von, Heinz, Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen, a.a.O.